Antirheumatische Medikamente – Was hilft wirklich?
Überblick

Entscheidend für den Therapieerfolg ist neben einer frühzeitigen Diagnose die rechtzeitige Einleitung einer wirksamen Therapie. Dass hier in Deutschland immer noch eklatante Versorgungsdefizite bestehen, wurde auch wieder auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, der im Oktober 2006 in Wiesbaden stattfand, deutlich. Und die Behandlungschancen für Betroffene sind weiter gestiegen; neue Medikamente und neue Behandlungskonzepte können selbst in solchen Fällen helfen, bei denen alle bisherigen Therapien nicht oder nicht ausreichend wirksam waren oder wegen Nebenwirkungen abgesetzt werden mussten.
Zum Einsatz kommen mehrere – sehr unterschiedliche – Medikamentenklassen, die unter- und miteinander kombiniert werden können:
Moderne Rheumatherapie:
die passende Behandlungskombination
für jeden Patienten finden
Schmerzmittel
Analgetika wie z. B. Acetylsalicylsäure wirken schmerzlindernd.
Die übrigen rheumatischen Symptome, wie beispielsweise Gelenkschwellungen oder Morgensteifigkeit, werden jedoch von ihnen nicht beeinflusst.
Kortisonfreie Entzündungshemmer
Nicht- Steroidale Anti Rheumatika (NSARs), beispielsweise Ibuprofen und Diclofenac, oder die neueren Cox-II-Hemmer hemmen die Entzündung und wirken damit auch lindernd auf entzündlich bedingte Schmerzen. Die Wirkung der NSARs tritt schnell – innerhalb von Minuten bis Stunden – ein.
Die Wirkung ist jedoch nur von kurzer Dauer - und auf das eigentliche Krankheitsgeschehen und den langfristigen Krankheitsverlauf können die NSARs keinen Einfluss nehmen. Wenn sie abgesetzt werden, hält ihre Wirkung nicht an. Außerdem kann diese Medikamentengruppe Magengeschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Bereich verursachen.
Entzündungshemmer – häufig verwendet,
aber nicht ausreichend
Kortisonfreie Entzündungshemmer werden daher hauptsächlich in den ersten Monaten eingesetzt, solange die Diagnose „Rheumatoide Arthritis“ noch nicht sicher ist – und bis die Basismedikamente ihre Wirkung entfalten oder auch als Ergänzung.
Kortison
Bei einem Schub verschlimmern sich die Beschwerden. Hier helfen Kortikosteroide, denn sie sind sehr effektive Entzündunghemmer. Kortikosteroide haben auch eine günstige Wirkung auf die Allgemeinsymptome der Erkrankung und unter einer ausreichend hohen Dosierung normalisieren sich Blutsenkung, C-reaktives Protein und andere Entzündungswerte. Wenn Kortikosteroide nur für kurze Zeit eingenommen werden, sind sie auch in größeren Mengen relativ unbedenklich.
Kortison – schnelle Hilfe
Kortikosteroide wirken jedoch nicht anhaltend; in der Regel kommt es nach Absetzen des Kortisons wieder zu einer Rückkehr der Symptome und der entzündlichen Veränderungen im Blut. Kortikosteroide sind auch nicht in der Lage, die Veränderungen der chronischen Entzündung, beispielsweise am Gelenkknorpel oder am Knochen, aufzuhalten.
Basismedikamente
Die Basismedikamente sind im Gegensatz zu den Schmerzmitteln, den kortisonfreien Entzündungshemmern und zum Kortison in der Lage, auch die Schäden der chronischen Entzündung beispielsweise an Gelenkknorpel oder Knochen aufzuhalten oder zumindest zu verringern. Sie werden deshalb auch als krankheitsmodifizierende Medikamente (Disease Modifying AntiRheumatic Drugs; DMARDs) bezeichnet. Wie alle vorgenannten Medikamentengruppen wirken auch die Basismedikamente sich positiv auf die entzündlich bedingten Schmerzen aus.
Basismedikamente – wirken auch
gegen die Gelenkzerstörung
Ihre Wirkung hält lang an; die Basismedikamente werden daher auch als langwirksame Antirheumatika bezeichnet.
Es kann allerdings Wochen bis Monate dauern, bis die Basismedikamente ihre Wirkung voll entfalten. Deshalb setzt die moderne Rheuma-Therapie auf eine Mehrfachstrategie: Zumindest in der Anfangszeit werden zusätzlich zum DMARD Schmerzmittel, kortisonfreie Entzündungshemmer und/oder Kortison gegeben.
Basismedikamente brauchen einige Wochen
bis Monate bis sie wirken, aber dafür
hält ihre Wirkung lange an!
Inzwischen gibt es mehr als ein Dutzend dieser Basismedikamente; einige der Wichtigsten sind:
Methotrexat (MTX):
MTX ist ein aus der Folsäure abgeleitetes Medikament und wurde ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt. Das weltweit am häufigsten bei RA eingesetzte Mittel greift in das körpereigene Immunsystem ein: Es bremst die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine) wie Interleukin-1 und nimmt den „Fresszellen“ (Makrophagen) den Appetit auf körpereigenes Gewebe. Etwa 50 % der Patienten sprechen gut auf MTX an. Höher sind die Erfolgsraten, wenn MTX mit anderen Basismedikamenten kombiniert wird, beispielsweise mit Ciclosporin.
Ciclosporin:
Das aus einem Bodenpilz (Tolypocladium inflatum) entwickelte Medikament hemmt ganz gezielt bestimmte Zellen der körpereigenen Abwehr – die T-Zellen – und verhindert so den gelenkzerstörenden Prozess. Wie MTX verhindert auch Ciclosporin die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen, die das körpereigene Immunsystem aktivieren. Ciclosporin hemmt hauptsächlich das Zytokin Interleukin-2, ohne das die T-Zellen nicht aktiv werden können. Bei einer Ciclosporin-Behandlung werden besonders der Blutdruck und die Nierenfunktion überwacht.
Leflunomid:
Leflunomid blockiert die Vermehrung der aktivierten T-Zellen und bremst so die Entzündungsaktivität der RA. Allerdings muss die Behandlung mit Leflunomid – ebenso wie bei den anderen Basismedikamenten – genau überwacht werden. Bei Leflunomid können aufgrund der langen Halbwertzeit Nebenwirkungen auch noch nach Absetzen des Medikaments auftreten.
Biologika
Die Biologika sind die neueste Medikamentenklasse. Sie sind „Reservepräparate“ und dann indiziert, wenn die klassischen Basismedikamente versagen oder bei sehr aggressiven Krankheitsverläufen. In der Regel werden Biologika mit DMARDs kombiniert.
Diese Medikamente sind sehr teuer. Studien haben außerdem gezeigt, dass Kombinationen von Basismedikamenten - früh genug eingesetzt - vergleichbar effektiv sein können wie Biologika.
Biologika: wirksam, aber sehr teuer
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