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Multiple Sklerose (MS)

Die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern

Die Krankheit mit den 1.000 GesichternSchwindel, Sehstörungen oder Probleme beim Gehen - in Deutschland gibt es mehr als 130.000 Menschen, die wissen was dies bedeuten kann: Sie leiden an Multipler Sklerose. Die Diagnose kommt oft bereits in frühen Jahren und trifft vorwiegend junge Menschen zwischen 20 und 40, besonders häufig Frauen. Bei jedem Patienten verläuft die neurologische Erkrankung anders und ist unberechenbar - sie wird daher auch oft als die "Krankheit mit den 1.000 Gesichtern" bezeichnet.

Um die Aufmerksamkeit in der breiten Bevölkerung für die Erkrankung zu schärfen, gibt es seit 2009 den Welt-MS-Tag - immer am letzten Mittwoch im Mai. Mit diesem Aktionstag soll weltweit Solidarität gezeigt und die Unterstützung der Patienten gefördert werden. In diesem Jahr steht das Thema Multiple Sklerose und Berufstätigkeit im Mittelpunkt. Damit sollen die Krankheit besser erklärt und Vorurteile abgebaut werden.1

 

Die ersten Symptome

Wenn plötzlich Sehstörungen auftreten oder das Gehen nicht mehr richtig funktioniert, kann dies ein erster Hinweis auf die Erkrankung sein. Eine Patientin hat dies erlebt: "2005, ich war gerade 38, da fing es in meiner rechten Seite an zu kribbeln. Ich hatte plötzlich keine Kraft mehr in der rechten Hand", sagt die junge Frau. "Da ahnte ich es: MS". Anders als die meisten Patienten wusste sie schon vor der Diagnose viel über diese Krankheit, "durch meine Arbeit als Krankenschwester, aber auch weil in meiner Familie jemand unter der Erkrankung litt."

 

Die Diagnose MS - Was bedeutet dies für die Patienten?

Für die meisten Patienten ist die Nachricht ein Schock. "Als der Arzt bestätigte, dass ich MS habe, zog es mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg", blickt die Krankenschwester auf die Tage der Diagnose zurück. "Ich fragte mich: Wie soll es privat und wie beruflich jetzt weitergehen?". Wie die meisten Patienten dachte sie sofort an Rollstuhl oder Ausstieg aus dem Arbeitsleben, ein Bild das viele bei der Erkrankung vor Augen. Heute weiß sie, dass dies so nicht stimmt. So sind zum Beispiel nicht alle Patienten vom Rollstuhl betroffen, "nur" ein Drittel ist auf diesen in fortgeschrittenen Stadien tatsächlich angewiesen.

Eine chronische Krankheit bedeutet, dass sich der Lebensalltag ändern muss, um sich Einschränkungen und der Therapie anzupassen. Viele Patienten machen dies erfolgreich und haben einen fast ganz normalen Alltag, sind voll berufstätig und integriert. Auch für die 44-jährige Patientin war schnell klar: "Entweder du kämpfst oder du verlierst. Und ich bin niemand, der gerne verliert." Als Krankenschwester hat sie sehr gerne Patienten betreut, konnte dies durch das lange Stehen und die teils schwere Arbeit aber nicht mehr weiterführen. Ein Berufsausstieg kam nicht in Frage. "Ich brauche meinen Alltag, um weiter im Leben zu stehen. Daher arbeite ich jetzt im Büro. Die Arbeit macht Spaß - und meine praktische Expertise ist jeden Tag gefragt."

 

Ursache der MS: Wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift

Ursache für die MS sind nach heutigem Kenntnisstand weiße Blutkörperchen, die sich gegen körpereigene Eiweiße auf den Nervenhüllen richten. Diese führen im Gehirn zu örtlich begrenzten Entzündungen ("MS-Plaques"), die dann je nach Lokalisation zu Schäden in verschiedenen Körperfunktionen führen können. Auf Dauer kann sich diese Entzündung auch verselbständigen und dann dauerhaft die Nerven selber beschädigen - wenn der Nerv einmal zerstört ist, kommt es oft zu irreversiblen Funktionsstörungen und dauerhafter Beeinträchtigung. Da MS unterschiedliche Bereiche im Gehirn und Rückenmark angreifen kann, können sehr viele verschiedene Funktionsstörungen auftreten. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Behinderung voranschreitet, ist individuell verschieden.

Am Anfang verläuft die Krankheit meistens in Schüben, die plötzlich auftreten und sich rasch wieder zurückbilden können. Oft kommt es hierbei zu den typischen Symptomen wie Kribbeln an Armen und Beinen, Lähmungen oder Koordinationsstörungen. Bereits in frühen Stadien sind auch oft Konzentration, Aufmerksamkeit und das Gedächtnis betroffen. Außerdem leiden die Patienten häufig unter dauerhafter Müdigkeit und Abgeschlagenheit ("Fatigue-Syndrom"). Häufigkeit, Dauer und Schwere der Schübe sind dabei bei den Betroffenen unterschiedlich.

 

Die Therapie zielt auf die Verzögerung der Spätstadien

Die Behandlung der Erkrankung hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Innovative Therapien ermöglichen es heute vielen Patienten, ihren Alltag, die Behandlung und die Erkrankung einfacher und normaler zu gestalten.

Moderne MS-Therapeutika (so genannte "Immunmodulatoren") werden prophylaktisch als Dauertherapie eingesetzt. Mit einer immunmodulatorischen Therapie kann die Anzahl der Schübe gesenkt werden, die Intensität der Schübe verringert werden und, besonders wichtig, das langfristige Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden. Dieses spiegelt sich auch in einer verbesserten Lebensqualität der Patienten auf Dauer wieder. Eine vollständige Heilung der MS ist heutzutage noch nicht möglich. Die meisten für die immunmodulatorische Langzeittherapie verwendeten Arzneimittel müssen von den Patienten gespritzt werden.

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1 Quelle: DMSG

 

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